Stresstest der Banken

Fragen und Diskussionen zu sonstigen Banken / Anlagen.

Stresstest der Banken

Beitragvon lavcadio » So Okt 12, 2014 1:14 am

Die EZB wird am Sonntag, den 26. Oktober, um 12:00 Uhr die Ergebnisse des sog. "Stresstests" von 130 systemrelevanten europäischen Banken veröffentlichen.

Die Banken selbst erfahren ihr Ergebnis 48 Stunden vorher.

Mir erscheint der Zeitpunkt der Veröffentlichung ungewöhnlich. Weshalb Sonntags, bei geschlossener Börse? Welchen Eventualitäten schenkt man hier Rücksicht?


Ankündigung der EZB:
http://www.ecb.europa.eu/press/pr/date/ ... 10.en.html

Artikel in der NZZ: http://www.nzz.ch/wirtschaft/die-testre ... 1.18401304

Artikel im Handelsblatt:
http://www.handelsblatt.com/unternehmen ... 23054.html
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Re: Stresstest der Banken

Beitragvon Namenloser » Mo Okt 13, 2014 10:43 am

Da kann ich weiterhelfen:

Die „Ehrenmedaille in Blech am Bande“ für absolute psychologische Ahnungslosigkeit geht in diesem Jahr an die EZB: Denn die Notenbank hat angekündigt, das Ergebnis des 128 europäische Banken betreffenden „Stresstests“ am 26. Oktober aufzutischen. Das ist ein Sonntag. Und sie hat auch gleich gesagt, warum sie diesen Tag gewählt hat: Weil es am Wochenende nicht möglich ist zu handeln.
Da darf ich noch einmal ein Zitat des Bundesfinanzministers vom März vergangenen Jahres in Erinnerung rufen, als der „Zypern-Deal“ eingefädelt wurde, der nicht nur böse Menschen sehr, sehr viel Geld gekostet hat. Dr. Schäuble äußerte sich im ZDF so: „Bankeinlagen sind eine sensible Sache, also macht man es amWochenende.“
Wenn „Super-Mario“ Draghi also ankündigt, das Ergebnis des Stresstests zur Vermeidung einer Panik an den Märkten oder eines „Bank Runs“ auf einen Sonntag zu legen, unterstreicht das in bemerkenswerter Weise, dass der Mann aber auch nicht den Hauch einer Ahnung von seinem Job hat:
Mit diesem Vorgehen erreicht man nur eines: Man schürt Ängste und löst eine Massenflucht aus Kapitalanlagen aus. Wie derzeit beispielsweise am Aktienmarkt zu beobachten.
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Re: Stresstest der Banken

Beitragvon lavcadio » Mo Okt 13, 2014 11:15 am

Danke. EZB: ... Einen hab' ich noch:

Europäische Zentralbank mutiert zur Bad Bank


Das Programm zum Aufkauf von gefährlichen Anleihen wird nun auch auf Ramsch-Anleihen ausgeweitet

Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) hat die Ankündigungen umgesetzt und will nun das Ankaufprogramm von sogenannten Asset Backed Securities (ABS) ausweiten. Er sei zu weiteren außergewöhnlichen Maßnahmen bereit, hatte Mario Draghi erst kürzlich erklärt. War es schon umstritten, diese gefährlichen Anleihen überhaupt zu kaufen, ist die Ausweitung in den Ramsch-Bereich noch gefährlicher für den Steuerzahler. Diese "strukturierten Anleihen" waren für die Finanzkrise mitverantwortlich, denn über sie wurden faule Kredite gebündelt und als Anleihen am Kapitalmarkt zu Geld gemacht.
[...]
Gekauft wird nun auch das, was man zweitklassigen Anleihen nennt. Dabei sind auch griechische und zyprische Papiere, die nicht einmal die Rating-Anforderungen von BBB- erfüllen müssen. Also werden Anleihen gekauft, die als spekulativ oder hochspekulativ gelten. In den Anleihen, die gekauft werden sollen, sind Kredite an Firmen, für Immobilien und Autos gebündelt, womit das Kreditrisiko verringert werden soll. Der Besitzer der Anleihen ist darüber an einer Zweckgesellschaft beteiligt - und das ist der Trick. Denn kommt es - wie in der Finanzkrise - zu massiven Kreditausfällen, tragen die Anleger die Verluste. Und das sind im Fall der EZB wieder einmal die Steuerzahler.

Quelle: http://www.heise.de/tp/artikel/42/42950/1.html


(Hervorhebung durch mich)

Mit dieser bestechenden Durchgängigkeit einer "Geldpolitik" (genauer: dem Fehlen irgendeines Regulativs) wischt die EZB resp. die kontrollierenden Organe jeden Eindruck beiseite, solches Handeln sei moralisch integer. Es fehlt den Politikern (immer noch) der Mut: Island's Entscheidung die Banken pleite gehen zu lassen hat sich mehrfach als richtig erwiesen. Möglicherweise kommen mit der Veröffentlichung einige kleine Brüche auf uns zu.
[...] Der ifo-Index fällt, die Verbraucherstimmung auch - und zuletzt ist gar das BIP geschrumpft. Seit Wochen überwiegen in Sachen Konjunktur die Negativmeldungen. Dabei steht es um die deutsche Wirtschaft so schlecht auch wieder nicht. [...] Quelle: http://www.tagesschau.de/wirtschaft/konjunktur-103.html
Heinz-Roger Doms (Tagesschau.de) vermittelt in seinem Artikel dass die Wirtschaft nicht gut laufe, sich das aber auf lange Sicht ja ändern könne. Zweckoptimismus.
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Re: Stresstest der Banken

Beitragvon lavcadio » Di Okt 28, 2014 9:19 am

Der Stresstest wurde veröffentlicht:
Quelle: http://www.ecb.europa.eu/press/pr/date/ ... 26.de.html

Hier die Aufstellung für jedes Land und jede einzelen geprüfte Bank:
Quelle: http://www.ecb.europa.eu/ssm/assessment ... ex.en.html

Hier ein interessanter Bericht des WallStreetJournales, wie man sich dabei erwischen liess, die offiziellen Ergebenisse auf der Webseite zu fälschen korrigieren:
Quelle: http://www.wsj.de/nachrichten/SB1070033 ... 2085096550

Die Ergebnisse des Stresstest aus 2010 sind mit dem aktuellen aus 2014 NICHT vergleichbar. Wesahlb? Ein Beispiel:
In 2010 wurde z.B. ein durchschnittlicher Einbruch des Bruttoinlandsprodukts um drei Prozent angenommen. Weiter wurde eine abflachende Zinskurve unterstellt und darüberhinaus wurde ein Crash am europäischen Staatsanleihenmarkt durchgespielt.
Quelle: http://www.n-tv.de/wirtschaft/Stresstes ... 15856.html


Heute nun wurde unterstellt dass das Bruttoinlandsprodukt in der EU um 0,7% und 2015 um weitere 1,5% sinke, für 2016 wurde ein Wachstum um 0,1% angenommen.
Quelle: http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/T ... s_vor.html

Beim Bilanzcheck (Asset Quality Reviews) zeigte sich, dass in den Bilanzen der Banken deutlich mehr faule Kredite schlummern als bislang angenommen – insgesamt 879 Milliarden Euro. Das sind 136 Milliarden Euro mehr als bislang angenommen.
Quelle: http://www.srf.ch/news/wirtschaft/25-ba ... tern-durch


Meine Erwartungen wurden erfüllt. Leider. Bis kurz vor knapp wurden die Zahlen so aufbereitet -und letztendlich auch präsentiert-, wie es einer platten Werbesendung ansteht.
Die Kriterien von 2010 wurden abgeschwächt/verwässert, dass es ein Vergleich nur schwer möglich ist. Bei gleichen Annahmen hätten sich die Ergebnisse der Banken, und damit auch die Auswirkungen des Handelns der zuständigen Aufsicht/Politik vergleichen lassen, und jeder hätte seine Schlüsse daraus ziehen können. Das war offenbar nicht erwünscht.

So aber könnte man glauben dass die Mehrheitsmeinung manipuliert und damit in die eine oder andere Richtung gelenkt werden solle. Niemals...
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[Update] Stresstest der Banken

Beitragvon lavcadio » Di Okt 28, 2014 11:55 pm

[Update]:
In einem bemerkenswert deutlichen Artikel auf Telepolis schreibt Ralf Streck
"Auf wirkliche Krisen wollte man nicht testen
Noch dramatischer ist, und das macht deutlich, dass man auf eine wirkliche Stresssituation gar nicht testen wollte, dass das so genannte "adverse Szenario" eher von moderaten Problemen ausging, nicht von einem "Worst-Case-Szenario" wie beim Test vor zwei Jahren ausgegangen. Doch erneut wurde wie damals getrickst, gemogelt und hingebogen, um zu diesen scheinbar positiven Ergebnissen zu kommen."

Hervorhebung durch mich.
Weiters nennt auch er die ungleichen Parameter, welche weder einen Test wirklich kritischer Bedingungen hergeben, noch irgendeine Vergleichbarkeit schaffen.
Quelle: http://www.heise.de/tp/artikel/43/43186/1.html
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