Medienspiegel vom 15.07.2012

Links auf Medienberichte, gepostet von den Moderatoren - ohne Kommentare

Medienspiegel vom 15.07.2012

Beitragvon lavcadio » So Jul 15, 2012 8:35 pm

Hinweis an Moderatoren: Bitte gerne dieses Post mit zusätzlichen Artikeln und Links ergänzen durch "Edit". Den zusätzlichen Medienlink bitte ergänzen im Format

ABC-Zeitung: ANFÜHRUNGSZEICHENTitel des ArtikelsANFÜHRUNGSZEICHEN ABSATZ
Link (kein Datum, denn das steht ja im Titel dieses Threads)

Bei Ergänzungen bitte zusätzlich eine Antwort im selben Thread erstellen, um die Aktualisierung zu dokumentieren.

Danke!


Medienspiegel vom 15.07.2012

Krisen-Auswege
Island ist glücklich ohne die EU und den Euro

2008 brachen die drei größten Banken Islands zusammen. Heute geht es wieder aufwärts mit Island. Anleger, die auf fette Zinsen gesetzt hatten, wurden per Volksabstimmung nicht entschädigt. Von Henryk M. Broder

[...]


Richtig angeschmiert dagegen waren etwa 300.000 Engländer und 120.000 Holländer, die, angelockt durch hohe Zinsen, ihre Ersparnisse bei der größten isländischen Bank, Landsbanki, angelegt hatten. Das Programm hieß "Icesave" und war alles andere als sicher. Die Briten verloren etwa fünf Milliarden Euro, die Niederländer rund 1.7 Milliarden.

Die isländische Regierung erklärte sich bereit, die Anleger teilweise zu entschädigen, das isländische Parlament verabschiedete, wenn auch mit knapper Mehrheit, ein entsprechendes Gesetz.

Präsidenten-Veto gegen Entschädigung

Doch dann passierte etwas, womit niemand gerechnet hatte. Präsident Ólafur Ragnar Grímsson legte ein Veto (Link: http://www.welt.de/107616570) gegen das Gesetz ein, er verweigerte seine Unterschrift. (Das hatte er schon einmal getan, 2004, gegen ein neues Mediengesetz.) Die Briten und die Holländer tobten und drohten mit Sanktionen, die Isländer waren begeistert und forderten eine Volksabstimmung, ein Novum in der Geschichte des Landes.

Bei dem Referendum vom 6. März 2010 stimmten 93 Prozent der Isländer gegen das Entschädigungsgesetz (Link: http://www.welt.de/6658551) . Die Regierung fürchtete um ihre Glaub- und Kreditwürdigkeit und legte dem Parlament eine modifizierte Fassung des Gesetzes vor, die mit großer Mehrheit angenommen wurde. Die Laufzeit sollte bis 2046 verlängert werden, die jährlichen Zahlungen höchstens fünf Prozent der Staatseinnahmen betragen. Präsident Grimsson verweigerte auch diesmal seine Unterschrift. Bei einem zweiten Referendum am 9. April 2011 stimmten 57 Prozent der Isländer gegen das Gesetz (Link: http://www.welt.de/13129334) .

"Das war eine moralisch richtige und ökonomisch vernünftige Entscheidung", sagt Olafur, "Anleger, die sich durch hohe Zinsen verführen lassen, müssen auch das Risiko tragen." Zudem wollten die Isländer nicht einsehen, warum sie für die spekulativen Geschäfte der Banken haften sollten. "So lange alles gut ging, haben die Banker ihre Gewinne mit uns auch nicht geteilt."

Keine Vergesellschaftung von Verlusten

Die Idee, dass Gewinne privat abgeschöpft, Verluste aber vergesellschaftet werden, die sich in Europa inzwischen durchgesetzt hat, passt nicht zu der Natur der Isländer, die individuelle Verantwortung für ein hohes Gut halten. Man kann Erfolg haben, man kann auch scheitern, aber man soll niemand für das eine oder das andere verantwortlich machen. In dieser Beziehung hinken die Isländer den Europäern hinterher oder – sie sind ihnen weit voraus.

[...]



Niemand redet mehr vom Euro
Es werde, sagt Olafur, noch einige Jahre dauern, bis die Folgen der Finanzkrise von 2008 überwunden sein werden. Eines aber sei jetzt schon klar: Über einen Beitritt zur EU oder die Einführung des Euro redet niemand mehr.

Die Isländer haben die hämischen und schadenfrohen Kommentare der Europäer aus der Zeit der Krise nicht vergessen. Aber sie sind nicht nachtragend. Sie wissen, dass sie auf den europäischen Markt angewiesen sind. Wer sonst soll ihren Fisch kaufen, ihre Schriftsteller lesen und Björks Platten hören? "Wir wünschen den Europäern von Herzen alles Gute", sagt Olafur und gibt dem Besucher einen Rat mit auf den Heimweg: "Wenn Sie wissen wollen, wie wir sind und warum es uns noch immer gibt, müssen Sie ein Buch lesen: 'Am Gletscher’ von Halldor Laxness."
Quelle:http://www.welt.de/kultur/article107705666/Island-ist-gluecklich-ohne-die-EU-und-den-Euro.html#disqus_thread


Die Wirtschaft blüht wieder
Nur Islands Bürger bluten

2008 war Island als eines der ersten Länder in die Finanzkrise gestürzt. Jetzt boomen Fischerei und Tourismus auf der Atlantik-Insel. Über Privathaushalten aber hängen weiter dunkle Wolken. Trotzdem verlieren die Isländer nicht ihre Zuversicht.
[...]
Knapp vier Jahre nach dem Kollaps der drei größten Banken glänzt die Inselrepublik im Nordatlantik mit kräftigem Wachstum, niedriger Arbeitslosigkeit, schneller Rückzahlung von Auslandsschulden und einem wohl 2013 ausgeglichenen Staatshaushalt.

Kühl bis bitter aber reagieren Gesprächspartner in den Cafés von Reykjavik, wenn sich der Besucher nach den Folgen der rasant schnellen Erholung für die isländische Durchschnittsfamilie erkundigt. "Was nützt das alles dem, der die eigenen Schulden nie im Leben zurückzahlen kann?", seufzt der IT-Techniker Hallgrimur Ingolfsson.
[...]
"Viele haben ihre Rentenersparnisse komplett aufgelöst, andere sind zwangsgeräumt oder an ihre für immer überschuldete Wohnung gefesselt" beschreibt Ísleifsson von der Uni Reykjavik die Folgen. Welches Grundgefühl bei dieser auch als Wählergruppe durchaus gewichtigen Bevölkerungsgruppe vorherrscht? "Dass man beim Abstottern der Schulden in ein schwarzes Loch schaufelt." Zu bewältigen waren und sind von den Bürgern ja außerdem massive Einschnitte im staatlichen Versorgungssystem und Gehaltskürzungen praktisch überall.
Quelle: n-tv.de, Thomas Borchert, dpa http://www.n-tv.de/wirtschaft/Nur-Islan ... 55596.html
Benutzeravatar
lavcadio
 
Beiträge: 7698
Registriert: Fr Okt 10, 2008 12:00 pm

Zurück zu Medienspiegel

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron