Wirtschaftsreportage: Island - Insel mit Eigensinn

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Wirtschaftsreportage: Island - Insel mit Eigensinn

Beitragvon lavcadio » Fr Dez 12, 2014 7:44 pm

makro: Island - Insel mit Eigensinn

Heute | 3sat | 21:00 - 21:30 Uhr | Wirtschaftsreportage
Wiederholung: So 14.12. 06:15

Die Isländer sind ein ganz eigenes Volk. Das hat die kleinste Volkswirtschaft in der OECD während der Finanzkrise 2008 bewiesen. Die Bürger stürmten die Zentralbank und belagerten das Parlament. Die drei größten Banken wurden daraufhin verstaatlicht und Forderungen ausländischer Gläubiger nicht ausgeglichen. Island suchte einen eigenen Weg aus der Krise - und mit Erfolg. Der Bankensektor wurde umgebaut und der Kredit des IWF vorzeitig zurückgezahlt. Der schwache Kurs der Krone lockte mehr Urlauber nach Island und machte den Tourismus zum drittgrößten Devisenbringer des Landes. Auch in der Stromerzeugung gehen die Isländer ihren eigenen Weg und decken den Energiebedarf heute fast zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien. Und doch bleiben Investitionen aus, Islands Bürger sind überschuldet und internationale Gläubiger müssen irgendwann bedient werden. Die "makro"-Wirtschaftsreportage "Island - Insel mit Eigensinn" hinterfragt, wohin Islands Eigensinn führt - sechs Jahre nach dem drohenden Staatsbankrott.


3sat-Medithek

Schnipsel aus der Reportage:
Skuli Mogensen, Gründer WOW-Air: "Die Kapitalverkehrskontrollen werden wohl noch 5 Jahre bestehen. Sie werden aufgehoben werden, bestimmt aber nicht morgen."
Es gab 2008 keine einfachen Antworten für die Überwindung des Staatsbankrottes. Und es gibt diese auch heute noch nicht, wenn das fragile Konstrukt des jüngsten Wachstums hinterfragt wird.
Skuli sieht eine Gefahr in den bestehenden Kapitalverkehrskontrollen, da derzeit isländisches Kapital nur in Island investiert werden kann, und es gleichzeitig sehr eingeschränkt möglich ist ausländischen Kapital bzw. deren Kapitalgeber für Island zu interessieren.
Eine Aufhebung der Kapitalverkehrskontrollen muss mit Umsicht erfolgen um zu verhindern dass dadurch "der Topf überbrodelt".
Droht ein zweiter Crash?
Kapitalkontrollen, also das Verbot Devisen außer Landes zu bringen, haben Islands Wirtschaft nach dem Crash eine Atempause verschafft, massive Kapitalflucht verhindert, und die Talfahrt der isländischen Krone gestoppt. Aber je länger sie in Kraft sind, desto schwieriger wird es, sie wieder los zu werden. Skuli Mogensen einer der reichsten Männer Islands sieht das ganz realistisch: "Tourismus und Fischerei haben zwar erfolgreiche lokale Märkte geschaffen. Aber wenn alles Kapital nur im Land investiert wird, werden wir einen zweiten Crash erleben. Quelle: http://www.3sat.de/page/?source=/boerse ... index.html

Die isländische Wirtschaft hat sich überraschend schnell erholt. Für 2014 beträgt das Wachstumgut 3,5 %. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 4 %. Grund ist der stark gestiegene Tourismus (aufgrund der günstigen isländischen Währung). Dies ist gleichzeitig aber auch eine Gefahr. Sich lediglich auf den stets anhaltenden bzw. wachsenden Tourismus zu verlassen führt zu einer neuerlichen Krise, wenn die Touristen ausbleiben.

"Den Isländer machen" heisst es voller Anerkennung. Marode Banken in die Pleite gehen lassen, Wagniskapitalgeber nicht entschädigen. Dieser Weg aus der Krise ist noch nicht beendet, gleichzeitig scheint es als vergessen einige Isländer schon wieder die Zeit um 2008 und gingen zu sorglos mit Geld um. Alleine in der Tourismusindustrie gibt es eine hohe Zahl von Startups.

Óttarr Proppé, isländischer Oppositionspolitiker sagt: "Wenn wir auf brennende Fragen keine Antworten haben, dann wollen wir es zugeben und sagen: wir wissen es nicht. Aber wir werden versuchen es herauszufinden."
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