Von Winding-Up gesetzte Deadline evtl. ungültig?!

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Von Winding-Up gesetzte Deadline evtl. ungültig?!

Beitragvon k.o.pthing » Sa Aug 06, 2011 12:44 am

Heute bin ich auf den Seiten des District Courts Reykjavik wieder einmal über ein interessantes Urteil gestolpert, dieses mal bezogen auf Straumur (mit dem bislang am weitest gediehenen Winding-Up-Verfahren, incl. vorgeschlagenem Compostion Scheme), in welchem wohl? festgestellt wird, dass ein Claim, der nach der vom Winding-Up Committee gesetzten Deadline eingetroffen war, Berücksichtigng finden muss.
Wenn dieses Urteil vor dem Obersten Gericht Bestand haben sollte, hätte das wohl unmittelbare Folgen auch für unsere Fälle.

Einen Bericht über das Urteil habe ich hier gefunden:

http://www.businessweek.com/news/2011-0 ... uling.html

Auszug:
Iceland’s failed banks may drop efforts to reach an orderly settlement and instead file for bankruptcy protection after a court ruled that creditors with rejected claims can seek repayment, Glitnir Bank hf said.

The Reykjavik District Court ruled July 19 that ALMC hf, formerly Straumur-Burdaras Investment Bank hf, must pay Stapi Pension Fund 5.2 billion kronur ($45 million) even though its claim was filed after a deadline set by the bank. The decision will encourage more creditors whose claims had been deemed invalid to seek repayment and threatens to postpone indefinitely efforts to settle, said Arni Tomasson, who heads Glitnir’s resolution committee.

(...)

The resolution committee of Kaupthing Bank hf, once Iceland’s biggest lender, is still “in the process of analyzing the impact of the ruling,” committee Chairman Steinar Thor Gudgeirsson said by phone.


    Link zum Urteil:
    http://www.domstolar.is/domaleit/nanar/ ... l=1&Words=
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    Re: Von Winding-Up gesetzte Deadline evtl. ungültig?!

    Beitragvon lavcadio » Sa Aug 06, 2011 7:34 am

    Sehr sehr gut. Fuchs, du!

    Bloomberg schreibt nicht nur dass "unser" ResCom noch dabei sei über die möglichen Folgen dieses Urteiles zu beraten. Was auch immer das heissen mag. Sondern auch (Zitat):
    Iceland’s failed banks may drop efforts to reach an orderly settlement and instead file for bankruptcy protection after a court ruled that creditors with rejected claims can seek repayment, Glitnir Bank hf said.
    [...]
    “If this ruling is upheld in the Supreme Court, it will open the floodgates of claims from everyone and anyone who believes he or she has unfinished business with the banks,” Tomasson said in a phone interview in Reykjavik. “Everyone gets a hunting license. It might be better for us to seek bankruptcy protection than to seek a composition agreement. Everything will change if this ruling is upheld.”


    Sollte das Urteil Bestand haben wird sich ein Compensation Agreement (auch "unser") erledigt haben. Was auch verständlich ist.

    Hier mal die -englische- Übersetzung der interessanten Passage des Urteiles:
    "The plaintiff said the defendant posed a letter 14th July 2009. He stressed that their deposits were in the defendant claims priority under applicable law. Is it based on the sixth Art. Act. 125/2008. The plaintiff then stated their claims in a letter to the dissolution of the Board of the defendant dated. 24th July 2009. Gave him all their claims as priority claims.
    This claim of the plaintiff received too late, the deadline for filing claims expired on 18th July 2009. The plaintiff failed to obtain consent sufficient number of creditors to claim his find that the dissolution of the defendant."


    Sieht also so aus dass die Bank am 14.07.2009 einen Brief schrieb, woraufhin die Reaktion des Anspruchstellers (erst am) 24.07.2009 einging, genau sechs Tage nach Fristablauf.

    Wie auch immer diese Sache ausgeht, ich halte eine sehr zeitnahe Rundmail mit diesen -und weiteren- Informationen für passend.
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    Re: Von Winding-Up gesetzte Deadline evtl. ungültig?!

    Beitragvon bankomat » So Aug 07, 2011 11:22 am

    Hm, eine Wendung, die ich nur mit sehr gemischten Gefühlen aufnehme. Hat für mich so etwas den Anschein, als dürfte das WuC (da ist doch das ResCom wohl inzwischen drin aufgegangen) von vorne anfangen dürfte..... Vielleicht doch an der Zeit ein echtes Insolvenzverfahren zu fordern?

    Für mich eher der Schluss, vorläufig ist kein Abschluss der Angelegenheit Kaupthing Niederlassung Frankfurt zu erwarten und wir müssen uns nun intensiv den TIF zur Brust nehmen.

    Wie ist denn da der Prozesstand? Wenigstens so weit, dass unsere Delegation zum "Creditor's Meeting" die TIF-Leute zu einem ernsthaften Gespräch an den Tisch bekommen kann?
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    Gerichtliche Anerkennung Forderung obwohl Claim abgelehnt

    Beitragvon k.o.pthing » Sa Sep 03, 2011 3:46 pm

    Anmerkung: thread heute (03.09.2011) verschoben aus dem internen Moderatorenbereich, nachdem das WuC dieses Verfahren (wohl auch aufgrund unserer und evtl. auch Nachfragen anderer Gläubiger) ausführlich auf einer Dreiviertelseite in den Unterlagen zum Crecitors meeting am 30.08.2011 (link führt auf die gesicherte Creditors Website) berücksichtigt hat.

    Zur derzeitigen Sachlage:

    Wir haben intern schon länger das Urteil des District Courts bezüglich der Rechte von Gläubigern, die keinen oder einen verspäteten Claim im Winding-Up-Verfahren eingereicht haben für den Fall eines Vergleiches (Composition), diskutiert.
    Im Fall einer anderen Bank (Straumur) hat hier ein Gläubiger in diesem Falle dieselben Ansprüche zugesprochen bekommen, als wenn er den Claim fristgerecht gestellt hätte.
    Wenn dieses Urteil vom Supreme Court bestätigt würde (was in Island wohl aber deutlich kontrovers diskutiert wird), hätte dieses auch für uns weitreichende Folgen, da dann für alle Betroffenen, deren Claim durch eigene und/oder fremde Fehler "verlorengegangen" ist, noch einmal Hoffnung bestünde, wie alle anderen vollständig (bis zum 22.04.2009) entschädigt zu werden.
    Theoretisch könnte man aus diesem Urteil sogar herleiten, dass alle ehemaigen EDGE-Kunden, sogar diejenigen, die bislang aus Bequemlichkeit oder "Edelmut" auf die Beanspruchung ihrer Restansprüche verzichtet haben, innerhalb der gesetzlichen Verjährungsfrist in Island (wohl 4 Jahre) dann ihren Anspruch noch anmelden und durchsetzen könnten.
    Hier bleibt also abzuwarten, was die Berufungsinstanz entscheidet.

    Wie auch immer das Berufungsgericht entscheidet: aus dem Urteil lässt sich zumindest ableiten, dass unsere mehrfach an verschiedenen Stellen des Verfahrens geäußerte Position, dass einseitig vom Winding-Up Committee verkündete Fristen nicht unbedingt einer rechtlichen Überprüfung standhalten werden, nicht ganz unbegründet waren.


    Zu Fragestellungen aus dem Original-thread:
    Die von @lavcadio Anfang August aufgeworfene Frage, ob sich für diesen Fall damit eine Vergleichslösung bei Kaupthing erledigt hätte, hat das WuC auf der Gläubigerversammlung eindeutig dahingehend thematisiert, dass im Falle Kaupthing hier nichts zu befürchten sei (außer einer etwas geringeren Quote für die nicht 100% Entschädigten)

    Die von @bankomat aufgeworfene Frage, ob nicht wieder der TIF in den Mittelpunkt unserer Anspruchstellung rücken solle, haben wir intern diskutiert und im Rahmen der Forderung an das WuC sich mit uns, der Finanzaufsicht und dem Entschädigungsfond an den Tisch zu setzen umgesetzt. Hierauf hat sich das WuC jedoch nicht einlassen wollen, aber im Gegenzug ein erneutes Informelles meeting für uns als Forenvertreter angeboten. Diese Einladung haben wir angenommen :arrow: Bericht
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