WIE Pleite ist Europa?

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Re: WIE Pleite ist Europa?

Beitragvon emwe » Mo Dez 03, 2012 10:38 am

ART-TV; noch einmal: "Armutszeugnis" am 17.02.2012 | 15:40 + ~1 Std.
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Re: WIE Pleite ist Europa?

Beitragvon VolkerM » Di Dez 17, 2013 1:49 am

lavcadio hat geschrieben:
    31.05.2010 Horst Köhler
    11.02.2011 Axel Weber
    16.02.2011 Jochen Sanio
    09.09.2011 Jürgen Stark
    Who´s next ... ?
      Es handelt sich um die Rücktritts-Daten der genannten Personen. Horst Köhler, Bundespräsident (muss Gesetze z.B. zur Eurorettung unterschreiben). Axel Weber: Präsident der Deutschen Bundesbank. Jochen Sanio: Präsident der deutschen Bankenaufsicht. Jürgen Stark, Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank.


Jörg Asmussen jetzt auch?
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Re: WIE Pleite ist Europa?

Beitragvon lavcadio » Di Dez 17, 2013 1:40 pm

Rücktritt? Nein, denke ich persönlich nicht. Ich nehme ihm tatsächlich ab, dass er näher an der Familie sein möchte. Und was bleibt sonst? Assmussen unter Schäuble? Das wäre ihm definitiv zu unangenehm.
Ich glaube eher, er bringt sich dadurch in eine komfortable Position, um eventuell -viel- später einmal Merkel's Nachfolger zu werden?

Auf jeden Fall schafft er, der die Wege der Deregulierung des Bankensektors eingeebnet hat, sich so aus der Schusslinie der von ihm vorbereiteten finanziellen Folgen, die wir alle spüren, und auch noch stärker zu spüren bekommen.
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Re: WIE Pleite ist Europa?

Beitragvon ISSELHORST » Mi Dez 18, 2013 5:45 pm

lavcadio hat geschrieben:Ich glaube eher, er bringt sich dadurch in eine komfortable Position, um eventuell -viel- später einmal Merkel's Nachfolger zu werden?


Ich denke eher, dass Jörg Asmussen Nachfolger von Schäuble werden will, wenn der aus Altersgründen nicht mehr kann.
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Re: WIE Pleite ist Europa?

Beitragvon lavcadio » Do Dez 19, 2013 7:50 am

Jörg Asmussen als Bundesfinanzminister. Aber ganz bestimmt ein Ziel. Ich vermute nicht sein endgültiges. Er war als Staatssekretär im Bundesfinanzministerium einer, wenn nicht sogar der Architekt des Bankenrettungspakets.

Erstaunlich nur, dass Asmussen 2006 in der "Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen" schrieb, es müsse seitens des Finanzministeriums darauf geachtet werden, "dass den Instituten keine unnötigen Prüf- und Dokumentationspflichten entstehen werden, wenn sie in 'gängige' ABS-Produkte mit gutem Rating investieren".

ABS (Asset Backed Securities) Sind gebündelte Kredite die dann weiterverkauft werden. Asmussen vertrat die Position dass der Markt für Asset Backed Securities in Deutschland stärker als bislang entwickelt. Der Focus titelte 2008 dazu:
Finanzkrise - Die Heuchelei des Peer Steinbrück
Finanzminister Steinbrück geißelt den entfesselten Kapitalismus. Dabei brach sein engster Mitarbeiter noch vor zwei Jahren eine Lanze für weniger Staat und riskante Wertpapiere.

Kann also einer - Asmussen; und damit auch der Finanzminister - für stärkere Regulierung eintreten, der sich noch vor zwei Jahren so äußerte?

Meiner Meinung nach wurde mit Asmussen durch die Berufung in die Expertengruppe der Bock zum Gärtner gemacht. Zumindest fragwürdig, denn Asmussen war schon im Zusammenhang mit der milliardenschweren Rettung der IKB-Bank in die Kritik geraten. Er war als Abteilungsleiter im Ministerium gleichzeitig im Aufsichtsrat der Mittelstandsbank und im Verwaltungsrat der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Da wird selbst dem unbedarftesten klar, daß hier eine Interessenkollision nicht auszuschließen ist. Asmussen hat sich quasi zweimal selbst kontrolliert. Siehe auch hier.

Wir stellten in den fünf Jahren Kaupthing (unglaublich, nicht wahr?) einen sehr effizienten Kontakt zu Gerhard Schick, dem finanzpolitischer Sprecher der Grünen Bundestagsfraktion her. Er hielt es für falsch, Asmussen in das Expertengremium der Regierung zu berufen. Er begründete seine Ansicht damit, dass Asmussen gerade auch mit den og.g. ASB's einige "grandies" Fehleinschätzungen ablieferte. Für Asmussen's Nähe zur Bankenlobby fand auch Herrn Schick klare Worte.

Torsten Albig, den wir im März 2009 bei einer SPD-Wahlkampfveranstaltung in Kiel sprachen, verteidigte Asmussen's Position. Dieser sei Beamter und vertrete die Position der Bundesregierung. Er schloss dabei explizit auch die ASB's mit ein, bei diesen handele es sich um ein sinnvolles Instrument der Unternehmensfinanzierung, welches nur sinnvoll genutzt werden müsse. Aha.
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Re: WIE Pleite ist Europa?

Beitragvon VolkerM » Mi Jul 02, 2014 8:52 am

... Die Verschuldung von Staaten und Privaten ist in den Industrieländern aber auch den Schwellenländern seit 2007 weiter angestiegen. Die Staatsverschuldung der G7 wuchs um immerhin 40 Prozent-Punkte auf nunmehr 120 Prozent des BIP.

Auch der Privatsektor macht immer mehr Schulden. Weltweit stiegen die Schulden um beeindruckende 30 Prozent seit 2007. ...

Ein großer Teil der neuen Schulden dient nur dazu, dass bestehende Schuldengebäude vor dem Einsturz zu bewahren, führt aber nicht zu neuer Nachfrage und schon gar nicht zu mehr Investitionen. Der Versuch, eine Krise, ausgelöst durch zu viele Schulden und zu billiges Geld, durch noch billigeres Geld und noch mehr Schulden zu bekämpfen, ist damit offiziell gescheitert.
... Richtigerweise müssten wir der Tatsache ins Auge sehen, dass ein großer Teil der Schulden - ich schätzte den Betrag auf rund 5 Billionen Euro im Euroraum - nicht mehr bezahlt werden kann. Besser wäre es hier einen Schnitt vorzunehmen und dann neu zu starten, als das Spiel auf Zeit fortzusetzen und das Problem damit immer weiter wachsen zu lassen. ...
Staaten und Banken sind noch mehr als vor sechs Jahren wechselseitig voneinander abhängig und stützen sich wie zwei Betrunkene, während die EZB den Nachschub an Bier sichert. ...

Quelle: manager-magazin.de

Und hier noch der Link zum 84th BIS Annual Report, 2013/2014

Wurde mir von einem freundlichen Vermögensberater zugeschickt. :) Das von mir rot markierte sind fast exakt meine Worte von vor fünf Jahren. Aber ich bin ja kein Experte, hab von so komplexen Themen keine Ahnung.
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Re: WIE Pleite ist Europa?

Beitragvon lavcadio » Mi Jul 02, 2014 9:37 am

Gerne hänge ich zur Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) an:

Den von dir verinkten Report bekommt man bei Klick auf "de" auch in deutsch.


Die Tagesschau schreibt:

Super-Zentralbank warnt vor Crash
Selbst Risikoscheue gehen Risiken ein
Stand: 29.06.2014 16:03 Uhr
Die Super-Zentralbank BIZ warnt vor neuen Turbulenzen auf den Finanzmärkten. Auslöser könnten ausgerechnet vermeintlich konservative Großinvestoren wie Pensionsfonds oder Vermögensverwalter sein, meint der neue Chefvolkswirt der BIZ, Hyun Song Shin.
[..]
Selbst Ramschpapiere finden reißenden Absatz
Für Shin [...] sind die momentan geringen Schwankungen an den Börsen ein Warnsignal. Geringe Volatilität ist zwar normalerweise ein Zeichen von Stabilität. Doch aus Sicht von Shin ist gerade diese Stabilität trügerisch. Dadurch würde nämlich verdeckt, dass einzelne Investoren schon heute immense Risiken aufgebaut hätten.
Anders als vor der großen Finanzkrise seien dieses Mal aber nicht die Banken das Problem, so Shin. "Das passiert jetzt bei den anderen Spielern." Und dazu gehörten "inzwischen auch eigentlich langfristig orientierte Investoren" - wozu zum Beispiel auch Versicherungen gezählt werden. Deren neues Verhalten berge große Gefahren.
[...] So seien selbst konservative Investoren inzwischen oft bereit, teils hochriskante Wertpapiere, etwa Anleihen von Firmen mit niedrigerer oder zweifelhafter Bonität, zu zeichnen. Im zurückliegenden Quartal erreichten diese "Ramschanleihen" ein Volumen von 90 Milliarden Dollar. Vor der Krise waren es pro Quartal im Schnitt 30 Milliarden Dollar.
Eine mögliche Lösung? Dass der Staat interveniert, sagt Shin
Spekulationsblasen fürchtet Shin vor allem an den Immobilienmärkten. Eine mögliche Lösung des Problem könnten staatliche Gegenmaßnahmen sein. [...]
Die im schweizerischen Basel ansässige BIZ gilt als die "Zentralbank der Zentralbanken". Sie dient als Plattform für den Austausch von Notenbankern in aller Welt und verwaltet zudem in deren Auftrag Teile der globalen Goldreserven. Die BIZ war eine der wenigen Institutionen, die vor der schweren Finanzkrise der Jahre 2007/08 gewarnt hatten. Ihr Jahresbericht, der am Sonntag in Basel publiziert wurde, gilt unter Fachleuten als eine der bedeutendsten Analysen zur Weltwirtschaft überhaupt.
Quelle: http://www.tagesschau.de/wirtschaft/fin ... z-100.html

(Hervorhebung durch mich)

Diese "staatlichen Gegenmaßnahmen" können vielleicht sogar helfen, ob das aber auch tatsächlich hilfreich enden wird ist unsicher. Sicher hingegen ist wer das bezahlen wird. So lange uns aber überlaut hinausposaunte Crash-Warnung treffen bin ich geneigt aufmerksam zu sein. Erst wenn es leise wird, wenn es plötzlich keinerlei Warnungen mehr gibt, bzw. sogar zum Beispiel für die Sicherheit von Aktien geworben würde, dann wird es eng.
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